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Blog - Schlumpfenhausen

"Schlumpfenhausen – klein, blau, wunderbar verrückt!"

Arroganz als Notwehr? Wenn Freundlichkeit zur schmerzhaften Last wird

„Es ist unbestreitbar, dass jeder von uns sein ganz persönliches Bündel an Herausforderungen, Sorgen und Altlasten mit sich herumträgt – bei manchen mag der Rucksack praller gefüllt sein, bei anderen wiegt er vielleicht etwas leichter, aber leer ist er bei niemandem. Meiner, so viel steht fest, ist über die Jahre auch ziemlich schwer geworden, gefüllt mit Erfahrungen, die man nicht einfach so abschüttelt. Im Grunde meines Herzens bin ich ein Mensch, der fest an das Gute glaubt und dem Werte wie Freundlichkeit, aufrichtige Hilfsbereitschaft und eine gewisse Gutmütigkeit enorm wichtig sind. Das ist nicht nur eine Fassade, sondern ein integraler Bestandteil dessen, wer ich sein möchte und wie ich die Welt idealerweise sehe. Ich investiere gerne Zeit und Energie, um anderen beizustehen, ein offenes Ohr zu haben oder einfach da zu sein, wenn jemand Unterstützung braucht. Es gibt mir ein Gefühl von Sinnhaftigkeit, wenn ich etwas Positives bewirken kann.

Umso schmerzhafter und desillusionierender ist es dann, immer wieder die Erfahrung machen zu müssen, dass genau diese Bereitschaft von manchen Menschen nicht nur als selbstverständlich hingenommen, sondern regelrecht ausgenutzt wird. Es ist dieses nagende Gefühl, wenn man merkt, dass die eigene Offenheit und das Vertrauen als eine Art ‚Freifahrtschein‘ missverstanden werden, um sich rücksichtslos zu bedienen. Da wird genommen, ohne zu fragen, ohne ein Wort des Dankes, ohne jegliches Anzeichen von Gegenseitigkeit oder Wertschätzung. Manchmal geht es sogar so weit, dass ich durch meine Hilfsbereitschaft selbst Nachteile in Kauf nehme oder meine eigenen Bedürfnisse und Grenzen komplett ignoriert werden. Das sind dann die Momente, die wie kleine Nadelstiche wirken, die aber in ihrer Summe tiefe Wunden hinterlassen.

Solche wiederholten Enttäuschungen führen unweigerlich dazu, dass mein Vertrauen in die Mitmenschen und das positive Menschenbild, das ich eigentlich pflegen möchte, Risse bekommt. Es ist, als würde eine zynische Stimme in mir lauter werden, die mir zuflüstert, dass es vielleicht doch naiv ist, immer vom Besten auszugehen. Der oft gehörte Satz ‚Aber es sind doch nicht alle Menschen so‘ mag rational stimmen, aber er bietet wenig Trost, wenn man gerade wieder einmal die Erfahrung gemacht hat, übergangen oder ausgenutzt worden zu sein. Es fühlt sich an, als würde man gegen Windmühlen kämpfen, und es erschwert ungemein, neuen Begegnungen unvoreingenommen und mit offenem Herzen zu begegnen.

Und dann, fast unausweichlich, kommt diese innere Anklage, dieser quälende Gedanke: ‚Du bist doch selbst schuld. Warum bist du auch so blöd und lässt das immer wieder mit dir machen?‘ Es ist ein bitteres Eingeständnis, aber ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass ein Funken Wahrheit darin steckt. Vielleicht liegt es an einer mangelnden Fähigkeit, rechtzeitig ‚Nein‘ zu sagen, klare Grenzen zu ziehen und meine eigene Gutmütigkeit vor Ausbeutung zu schützen. Diese Selbstkritik ist hart, aber sie entspringt auch einer wachsenden Frustration über die eigene Passivität in solchen Situationen.

Langsam aber sicher reift in mir die Erkenntnis, dass sich etwas ändern muss, wenn ich nicht dauerhaft verbittern oder meine positive Grundhaltung komplett verlieren will. Vielleicht ist es tatsächlich an der Zeit, zu lernen, mit breiterer Brust, mit mehr Selbstbewusstsein und einer gesunden Portion Eigenschutz durchs Leben zu gehen. Es geht dabei nicht darum, ein kaltherziger oder arroganter Mensch zu werden – das widerspräche allem, wofür ich stehe. Aber es geht darum, meine Werte nicht länger zur Disposition zu stellen und meine Freundlichkeit nicht als Schwäche auslegen zu lassen. Es ist wohl ein Lernprozess, eine Balance zu finden zwischen meiner empathischen Natur und dem notwendigen Selbstschutz, um nicht immer wieder zum Opfer der Gedankenlosigkeit oder des Egoismus anderer zu werden. Vielleicht bedeutet das, öfter mal die eigenen Bedürfnisse an erste Stelle zu setzen, auch wenn es sich anfangs falsch anfühlt. Es ist ein anstrengender Gedanke, aber möglicherweise der einzige Weg, um langfristig authentisch und trotzdem nicht ständig verletzt zu werden.“

Mal schauen, wohin der Weg der Zeit mich bringen wird…

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