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Das Flackern im Fenster – Eine Halloween-Nacht in Eichenwald

🎃 „Das Flackern im Fenster – Eine Halloween-Nacht in Eichenwald“

Es war die Nacht vor Halloween, als ein kalter Wind durch das kleine Dorf Eichenwald zog. Die Straßenlaternen flackerten, als wollten sie warnen – aber niemand achtete darauf.
Die meisten Häuser waren geschmückt: ausgehöhlte Kürbisse mit schiefen Grinsen, Spinnennetze über Gartenzäune gespannt, Kinder lachten. Nur das alte Haus am Ende der Lindenstraße blieb dunkel. Es war das Haus der Familie Harrow – oder besser gesagt, gewesen.

Seit dem Brand vor zwanzig Jahren stand es leer. Man erzählte sich, man könne an Halloween die Schreie hören, wenn man nur lange genug davor stehen blieb. Natürlich nur eine Geschichte – bis gestern Nacht.

🕯️ 1. Das Flackern

Lena und ihr Bruder Tim waren auf dem Weg zur Halloween-Party. „Komm schon, das ist nur ein altes Haus“, sagte Tim, als sie an dem verwitterten Tor vorbeigingen. Doch Lena blieb stehen.
„Da!“, flüsterte sie.
In einem der oberen Fenster flackerte ein Licht. Erst schwach, dann stärker, wie eine Kerze – oder ein Feuer.

„Vielleicht hat jemand den Strom angeschlossen“, murmelte Tim, aber seine Stimme zitterte. Niemand wohnte dort. Niemand hatte seit Jahren auch nur den Garten betreten.

Dann öffnete sich das Fenster. Ganz langsam. Kein Windstoß, kein Knarren – es glitt lautlos auf. Eine schemenhafte Gestalt trat hervor. Weiß, durchsichtig, mit einem leeren Gesicht, das trotzdem zu starren schien.

Lena wich zurück. Das Licht flackerte heftiger, und plötzlich erlosch es. Nur Dunkelheit blieb – und das Echo eines Kinderlachens, das aus dem Haus zu kommen schien.

🕰️ 2. Das Geräusch hinter der Tür

Neugier siegte über Angst.
Tim schob das Tor auf, es quietschte so laut, dass selbst die Krähen vom Baum aufflatterten. Die Tür war unverschlossen. Drinnen roch es nach altem Holz, Staub und – etwas Süßlichem.

„Hörst du das?“, flüsterte Lena.
Ein leises, rhythmisches Klopfen – wie ein Herzschlag. Es kam von oben.

Sie gingen die Treppe hinauf. Stufe für Stufe.
Oben im Flur hing ein alter Spiegel, schwarz angelaufen, aber als sie vorbeigingen, war ihr Spiegelbild nicht allein.
Hinter ihnen stand ein Mädchen. Weißes Kleid, verbrannt am Saum. In der Hand hielt sie eine kleine Puppe, die fast vollständig verkohlt war.

„Du bist zu spät“, flüsterte sie. Ihre Stimme klang wie Wind durch Scherben. „Er ist schon wach.“

Dann brach das Licht der Taschenlampe zusammen.

🔥 3. Der Schatten

Tim rief nach seiner Schwester, doch der Nebel im Flur wurde dichter.
Etwas bewegte sich in der Dunkelheit – groß, krumm, mit schwarzen, glänzenden Augen. Der Boden vibrierte, als es näherkam.
Lena schrie. Der Schatten griff nach ihr – und plötzlich sah Tim wieder Licht: durch die Ritzen der Dielen. Ein rotes, pulsierendes Glühen.

Er riss sie mit sich die Treppe hinunter, stolperte, fiel – und als sie unten ankamen, war die Tür offen. Draußen heulte der Wind, aber das Haus war still.

Sie rannten. Erst als sie die Straße erreichten, wagten sie, sich umzudrehen.
Im Fenster oben flackerte wieder das Licht. Und diesmal waren zwei Schatten darin zu sehen.


Seitdem meidet jeder das Haus am Ende der Lindenstraße.
Aber jedes Jahr, in der Nacht zu Halloween, sieht man das Licht wieder – zwei Gestalten am Fenster, Hand in Hand.
Und wer ganz genau hinhört, meint manchmal ein leises Flüstern zu hören:

„Du bist zu spät … er ist schon wach.“

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