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Mein Pixel-Frust auf Linux

rené wehde

Beitrag von PapaSchlumpfig

===>“Lies, bitte immer das was ich meine, – nicht – das was ich schreibe.“ <===

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Warum mich Linux bei der Bildbearbeitung regelmäßig in den Wahnsinn treibt

Ein Apple-verwöhnter Anwender trifft auf GIMP, Krita und Co. die harte Realität des freien Desktops.

Ich gebe es offen zu: Ich bin verwöhnt. Jahrelang – um genauer zu sein: sehr viele Jahre – habe ich auf Apple-Hardware gearbeitet. macOS, das iPhone, das iPad, der ganze Ökosystem-Zauber. Und mittendrin: eine Bildbearbeitungswelt, die sich schlicht und einfach richtig angefühlt hat. Pixelmator Pro, Affinity Photo, Lightroom, etc. und natürlich das gute alte, aber leider eingestellte Aperture – all diese Programme hatten eines gemeinsam: Man öffnet sie, und man weiß intuitiv, was zu tun ist. Ein Schieberegler hier, eine Maske dort, fertig. Das Werkzeug verschwand hinter der Arbeit. Genau so soll das sein.

Dann kam der Wechsel. Linux. Bewusst, gewollt, aus Überzeugung – und in vielerlei Hinsicht absolut die richtige Entscheidung. Aber es gibt diesen einen Bereich, der mich bis heute immer und immer wieder frustriert, manchmal belustigt und gelegentlich auch einfach nur erschöpft: die Bildbearbeitung.

Der erste Blick auf GIMP – und der erste Schock

Als ich das erste Mal GIMP geöffnet habe, dachte ich kurz, mein System sei abgestürzt. Drei separate Fenster. Drei. Das Bild in einem, die Werkzeuge im nächsten, die Ebenen irgendwo daneben. Ich weiß, ich weiß – das lässt sich heute alles in einem einzigen Fenster zusammenfassen, der sogenannte Single-Window-Modus existiert schon eine Weile. Aber allein die Tatsache, dass man das erst aktivieren muss(te), dass das nicht der Standard ist, sagt eigentlich schon alles über die Philosophie hinter diesem Programm.

GIMP ist zweifellos sehr mächtig. Das streite ich gar nicht ab. Es kann außerordentlich viel. Aber es fühlt sich an wie ein Werkzeugkasten, der von Ingenieuren für Ingenieure gebaut wurde – und nicht für jemanden wie mich, der einfach ein Foto zurechtstutzen, ein paar Farben korrigieren oder schnell mal einen Hintergrund freistellen möchte. Die Lernkurve ist nicht steil. Sie ist wie eine senkrechte Wand für mich – auch nach extrem viel Zeit.

Ich wollte einfach nur ein Bild freistellen. Zwanzig Minuten später hatte ich fünf Browser-Tabs offen, zwei YouTube-Videos pausiert und immer noch keine Ahnung, warum meine Auswahl nicht so funktionierte wie erwartet.

Das ist kein Vorwurf an die Entwickler. Es ist Open Source, es ist kostenlos, und unzählige Menschen stecken ihre Freizeit hinein. Respekt dafür, wirklich. Aber als jemand, der aus einer anderen Welt kommt, fühlt sich die Bedienung manchmal an wie das Erlernen einer Fremdsprache – mit einem Wörterbuch, das auf Latein verfasst ist.

Krita: Schöner, aber auch nicht ganz meins

Dann wäre da noch Krita. Und ich will fair sein: Krita ist ein deutlich moderneres Programm. Die Oberfläche finde ich aufgeräumter, die Logik zugänglicher. Für digitale Malerei und Illustration ist es vermutlich wirklich hervorragend. Aber ich male keine digitalen Kunstwerke. Ich bearbeite Fotos. Ich schneide Bilder zu. Ich möchte manchmal einfach nur ein einfaches Bild bearbeiten oder RAW-Dateien entwickeln, Belichtung anpassen, Rauschen reduzieren, etwas wegretuschieren, oder auch nur sonstige Kleinigkeiten. Und da merkt man recht schnell: Krita ist für genau das nicht wirklich gedacht.

Es ist, als würde man mit einem Pinsel versuchen, eine Schraube festzuziehen. Das Werkzeug ist nicht schlecht – es ist nur das falsche für den Job.

Was ich unter macOS für selbstverständlich gehalten habe:

  • Intuitive RAW-Entwicklung direkt beim Importieren
  • Zerstörungsfreie Bearbeitung als Standard, nicht als Ausnahme
  • Gesichtserkennung, automatische Sortierung, smarte Alben
  • Schieberegler, die sofort und ohne Ruckeln reagieren
  • Export-Dialoge, die nicht aussehen wie aus dem Jahr 2003

RawTherapee, darktable & Co. – die Hoffnungsschimmer

Ich möchte nicht nur klagen. Es wäre unehrlich, nicht zu erwähnen, dass es unter Linux auch Programme gibt, die in die richtige Richtung gehen. darktable zum Beispiel ist ein ernsthaftes RAW-Entwicklungsprogramm mit echtem Potenzial. Die Ergebnisse können sich sehen lassen. Auch RawTherapee ist technisch auf hohem Niveau.

Aber – und das ist ein großes Aber – auch diese Programme haben eine Gemeinsamkeit mit GIMP und Krita: Sie setzen voraus, dass man sich ernsthaft hinsetzen und lernen will. Man muss sehr viel Zeit investieren. Man muss Tutorials schauen. Man muss Fehler machen, wieder suchen, wieder probieren. Das ist grundsätzlich nicht falsch. Aber manchmal möchte ich einfach nur ein Foto bearbeiten und nicht gleichzeitig einen Zertifikatskurs in digitaler Bildverarbeitung absolvieren.


Das eigentliche Problem: Workflow und Gefühl

Ich glaube, das Kernproblem ist kein einzelnes Feature und kein spezifischer Bug. Es ist das Gesamtgefühl. Unter macOS hatte Bildbearbeitung einen Flow. Man öffnete ein Bild, bearbeitete es, und das Programm arbeitete mit einem – nicht gegen einen. Unter Linux fühlt sich zu oft an, als müsse man das Programm erst überreden, als müsse man seine Absicht in eine Sprache übersetzen, die das Tool überhaupt versteht.

Ein Beispiel, das mich neulich wieder fast zur Verzweiflung gebracht hat: Ich wollte in GIMP ein Bild einfach nur auf eine bestimmte Größe skalieren, etwas retuschieren und dabei die Auflösung für den Druck korrekt setzen. Eine Aufgabe, die unter z.b. Pixelmator Pro buchstäblich zehn Sekunden dauert. Unter GIMP? Skalierung und Auflösung sind zwei separate Menüpunkte, die unterschiedliche Dinge tun, die sich gegenseitig beeinflussen können, und die man in der richtigen Reihenfolge aufrufen muss. Ich hab es hinbekommen. Aber ich hab dabei geseufzt.

Linux hat mir in vielerlei Hinsicht die Augen geöffnet. Für Freiheit, für Kontrolle, für Transparenz. Aber bei der Bildbearbeitung schließe ich diese Augen manchmal lieber wieder.

Ist es also hoffnungslos?

Nein. Und ich sage das nicht nur, um diesen Artikel mit einer positiven Note zu beenden. Ich sage es, weil ich tatsächlich daran glaube, dass sich die Lage verbessert. Die Linux-Desktop-Welt ist nicht mehr das, was sie vor zehn Jahren war. Programme werden besser, schöner und zugänglicher. Die Community wächst stätig. Und wer weiß – vielleicht erscheint ja irgendwann ein natives Affinity Photo oder ein Pixelmator-Äquivalent für Linux. Man darf ja träumen. 😉

Bis dahin werde ich weiter mit GIMP hadern, darktable-Tutorials anschauen und gelegentlich extrem laut fluchen, wenn wieder etwas nicht so funktioniert, wie ich es erwarte. Und ich werde dabei eines nicht vergessen: Ich habe mir diesen Weg selbst ausgesucht. Linux ist eine Entscheidung, keine Notlösung. Und zu jeder bewussten Entscheidung gehört auch die Bereitschaft, Kompromisse einzugehen.

Aber ein bisschen mehr Benutzerfreundlichkeit bei der Bildbearbeitung – die dürfte der Pinguin ruhig noch lernen.

Persönliche Notiz

Dieser Artikel spiegelt meine ganz persönlichen Erfahrungen als langjähriger Apple-Nutzer wider, der den Wechsel zu Linux bewusst vollzogen hat. Kein Angriff auf die großartige Open-Source-Community – sondern ein ehrlicher Erfahrungsbericht aus dem Alltag.

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